Mehr analog, bewusster digital

Mir geht es schon lange ziemlich auf den Keks, dass so viele Lebensbereiche am Smartphone hängen. Und dass die Betriebssysteme dieser Smartphones nur von ganz wenigen großen Unternehmen stammen, gefällt mir auch nicht. Europäische Lösungen (Hard- und Software!) sind rar, recht teuer und alle Apps laufen dort auch nicht. Hinzu kommen Aspekte des Datenschutzes. Unsere digitalen Daten sind eine begehrte Ware und das in einem Ausmaß, von dem mir manchmal übel wird. Ich liefere pausenlos Daten, bekomme aber von den Datenhändlern nichts dafür. Eine Synchronisierung über welche Cloud auch immer, kommt für mich ohnehin nicht in Frage. Also stelle ich mir immer wieder die Frage, was ich auf klassischem, nicht analogen Weg auch erledigen kann und wo digital vielleicht doch auch besser passt.

Kalender und ToDo-Listen

Papierkalender haben sich insbesondere früher im beruflichen Alltag immer schon besser bewährt, als die digitale Variante. Alleine während des Telefonierens mit dem Smartphone, zeitgleich im Smartphone nach dem digitalen Terminkalender zu schauen, ist einfach umständlich. In einem Papierkalender sind die Daten auch schneller eingetragen.

Privat ist das aber so eine Sache. Ich habe nicht mehr den beruflichen Zeitdruck, verabrede kaum noch Termine per Telefon und ein digitaler Kalender erinnert mich so schön an anstehende Termine und Erledigungen. Trotzdem gefällt es mir nicht.

Eine zeitlang habe ich es mit einer vereinfachten Version von Bulletjournal versucht, keine Deko, keine bunten Farben, keine Malerei. Es war durchaus praktisch, alles an einem Ort zu haben, speziell in der Umzugsphase im letzten Jahr. Letztlich bin ich aber nicht dabei geblieben. Ich hatte keine Lust, jedes Mal vorne das Inhaltsverzeichnis zu ergänzen. Abgehakte Todo’s interessieren mich auch nicht mehr. Und bei allen Papiervarianten neige ich zum Chaos. Schön ordentlich und alles lesbar schreiben – nicht meine Abteilung. Ich schreibe auch schon mal kreuz und quer übers Papier und wühle mich anschließend durch diese ganzen Schreibereien, um irgendwas zu finden. Also habe ich es eine zeitlang in doppelter Version probiert. Papierkalender, der immer noch schnell und praktisch ist, ergänzt durch einen digitalen Kalender mit einer digitalen Todo-Liste. Damit bin ich aber auch nicht klar gekommen. Es war ja auch doppelt gemoppelt. Außerdem wollte ich ja auch weg von diesen unnötigen, digitalen Varianten.

Also ein neuer Versuch. Es bleibt beim Papierkalender. Ich habe einen Kalender im A6-Format. Monatskalender, Wochenkalender und etliche freie Seiten für Notizen. Unterwegs mal eben was auf irgendein Zettelchen zu schreiben, hat sich noch nie bewährt. Das landet in irgendwelchen Untiefen des Rucksacks. Für zwei Bereiche gibt es daher inzwischen zwei weitere Notizheftchen, wo man die einzelnen Seiten auch nach Nutzung leicht heraus reißen und entsorgen kann. Was erledigt ist kann weg. Fertig.

Taschenkalender und zwei Notizblöcke

Einmal ein Miniblock im ca. A7-Format für Einkaufslisten. Sobald mir auffällt, was ich neu besorgen muss, schreibe ich dies dort hinein. Nicht erst, kurz bevor ich einkaufen will. Da vergesse ich nämlich immer irgendwas. Diesen einen Zettel reiße ich aus dem Block heraus und gehe einkaufen. Simpel und einfach.
Für ToDo’s wollte ich mir ein A5-Spiralheft besorgen. Das gabs aber zu dem Zeitpunkt gerade nicht, dafür aber ein etwas kleineres Spiralheftchen, was sogar gleich als Todo-Liste gedacht ist. Na gut, dann eben das. Was erledigt ist, wird durchgestrichen. Sind am Ende der Seite noch unerledigte Todo’s übrig, kommen die auf die neue Seite, die alte Seite wird entsorgt.

Wecker

Das Smartphone habe ich noch nie als Wecker benutzt. Es wäre mir aufgrund meiner Schwerhörigkeit im Zweifelsfall zu leise und ich finde auch, es sollte smartphonefreie Zonen geben. Daher hat das Smartphone in meinem Schlafbereich überhaupt nichts zu suchen. Das Internet schalte ich nachts ohnehin aus.

Straßenkarten

Für unterwegs habe ich eine Offline-Straßenkarte (Openstreet-Map) auf dem Smartphone. Also eine digitale Variante. Die Standortfunktion meines Smartphones schalte ich aber nur dann ein, wenn es wirklich nicht anders geht. Ich kann von früher her noch Karten lesen, ich möchte es auch nicht verlernen. Früher hat das ja mit den normalen Papierkarten auch funktioniert. Da war auch kein blauer Punkt, der mir gesagt hat, wo ich gerade bin. Ich möchte mir solche Orientierungsfähigkeiten erhalten, bin aber auch froh, dass ich keine (oft schnell überholte) Papierkarten mehr mit mir herum schleppen muss.

Dinge, die ich nicht ersetzt habe

Einen Taschenrechner hatte ich auch mal als extra Gerät, leider war der irgendwann hinüber. Derzeit lohnt es auch nicht mehr ernsthaft, für die paar Rechnereien nochmal ein neues Gerät zu besorgen.

Fotos mache ich immer noch mit dem Smartphone. Die angebotenen Digitalkameras haben mir nicht zugesagt, oft viel zu teuer. Kleinere, günstigere Geräte, die aber qualitativ gut sind, gibts kaum noch. So viele Fotos mache ich auch nicht und wenn, sortiere ich das meiste davon im Laufe der Zeit sowieso wieder aus. Eine Digitalkamera lohnt sich also nicht.

Ein neues digiales Gerät

Sowas gibts bei mir tatsächlich seit noch nicht all zu langer Zeit: Eine Senioren-Smartwatch von einem schwedischen Hersteller. Gebraucht für 18,99€ im M-Markt gekauft. Die Uhr ist recht groß, kann aber wenig. Kein GPS, kein Telefonieren, kein EKG-Messen, kein NFC zum Bezahlen an der Ladenkasse, keine E-Sim, kein Internet, keine extra Apps, die man runter laden kann. Das will ich eh alles nicht. Vermutlich ist diese Uhr ein Ladenhüter, es war lediglich die Packung geöffnet, die Uhr selbst war unbenutzt. Ich verwende die Uhr gezielt als Pulsmesser und zum besseren Pacing. Ich bekomme nicht immer sofort mit, wenn ich mich unterwegs überlaste. Mit LongCovid ist das wirklich fatal und hat schon zu etlichen Crashs geführt. Der Pulsmesser ist dauerhaft angestellt, wenn ich unterwegs bin. Dadurch bemerke ich jetzt früher und genauer, wann ich Pausen einlegen muss oder für den restlichen Weg mal lieber den Bus nehme. Eine Armbanduhr habe ich dann auch gleich dabei und muss für die Uhrzeit nicht aufs Smartphone schauen.

Es geht für mich letztlich auch nicht darum, das digitale Leben komplett abzuschaffen. Ich möchte es nur zielgenauer nutzen, mich nicht unnötig abhängig davon machen, schon gar nicht Fähigkeiten aus digitaler Beqemlichkeit heraus verlieren oder in eine Smartphonesucht geraten. Es geht ja auch anders.

Senioren-Smartwatch mit Pulsmesser

 

2 thoughts on “Mehr analog, bewusster digital

  1. Hallo Gabi!
    Ich habe eine Mischung aus digital und analog. Notizen mach ich mir nach wie vor am liebsten auf Papier. Ich habe aber auch eine solche Uhr, die alles mögliche kann und die Gründe dafür sind ähnlich wie bei dir. Ich überlaste mich schnell. Die Uhr gibt mir Rückmeldung und noch eins habe ich neulich unfreiwillig ausprobiert. Ich bin gestürzt und die Uhr hätte den Notruf abgesetzt, wenn ich sie nicht aktiv daran gehindert hätte. Dieser Sturz war nicht schlimm, aber auch aufgrund eines anderen Sturzes, haben wir genau diesen Typ Uhr angeschafft.
    Mein Kalender ist analog, A5 groß und hat ~300 Seiten und einen reingelegten Bleistift, damit ich zu jeder Zeit etwas reinschreiben kann.
    Was ich wirklich hasse ist, dass man immer öfter gezwungen wird, eine Handy-App zu nutzen. Hinz und Kunz „verkaufen“ die einem als Fortschritt. Es ist ja damit sooo einfach… Die Diskussion hatte ich neulich mit der Krankenkassen. Doch, das Bonusheft gibt es noch als Papierversion. Man muss nur mit Nachdruck danach fragen. Gleiches gilt für die Bahncard.
    Liebe Grüße, Sibylle

  2. Den guten alten Einkaufszettel hab ich auch immer noch, könnt mir das in digitaler Form auch nicht vorstellen. Für unterwegs ist immer ein kleines Oktavheft in meiner Handtasche, um schnell ne Notiz zu machen, da bin ich auch nicht auf die Idee gekommen es am Smartphone zu machen. To do Listen gibt es bei mir nicht, aber einen Kalender in der Küche wo Termine und auch sowas wie Treppenwoche drin eingetragen sind. So vergess ich das nicht.
    Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar zu Aurelia Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert